Dichtheitsprüfung und Leckortung von Flachdächern
Sinnvoll oder nur teuer?

Abdichtungen im Hochbau - für Flachdächer, Balkone, Terrassen oder Hallen - können auf verschiedenen Untergründen ausgeführt werden. In Frage kommen in der Regel Beton, Holz und Holzwerkstoffe bzw. Profilbleche. In der Mehrzahl der Fälle kommt ein Warmdach zur Ausführung, bei dem die Dämmung auf der Oberseite durch die Abdichtung des Flachdaches geschützt wird. Auf dem statisch tragenden Untergrund wird eine Dampfsperre - z.B. mit einer Bitumenbahn mit Alu-Einlage - verlegt. Diese verhindert den Eintrag von Wasserdampf in die Dämmung während der Heizperiode und schützt somit den Dachaufbau vor Kondensatausfall. Die Dämmwirkung eines Dämmstoffes sinkt mit dem Feuchtegehalt der Dämmung!
Ist nun ein Dachaufbau vom Dachdecker fertiggestellt, die Schweißnähte sind augenscheinlich fehlerfrei und Beschädigungen der Abdichtung sind mit freiem Auge auch keine zu finden, so stellt sich für den Bauherrn die Frage, ob eine Dichtheitsprüfung beauftragt werden soll bzw. wer diese ausführen kann.
- Wer macht eine Dichtheitsprüfung?
Abhängig von der Art der Dachabdichtung haben sich in der Praxis verschiedene Verfahren zur Dichtheitsprüfung bzw. Leckortung bewährt.
Bei Bitumenbahnen und Kunststoffdichtungsbahnen (z.B. PVC, FPO, etc.) hat sich in den letzten Jahren die Dichtheitsprüfung mit dem Funkenschlag-Verfahren (oder auch Funkenbesen genannt) etabliert. Dabei wird eine hohe Spannung (mehrere kV), bei gleichzeitig geringer Stromstärke an die Borsten eines Metallbesens angelegt und gegenüber Erdung gemessen. Mit dem Funkenbesen kann die gesamte Dachfläche - samt aller Anschlüsse und Hochzüge - auf Leckagen hin überprüft werden. Dieser werden durch ein akustisches Signal angezeigt. So mancher Dachdecker verfügt bereits über die nötigen Geräte und das erfahrene Personal. So kann er sein eigenes Gewerk überprüfen und im Falle von Leckagen auch gleich selbst sanieren. Aber auch viele professionelle Leckorter können das Funkenschlag-Verfahren anbieten.
Ein weiteres Verfahren stellt die Prüfung mit Rauchgas oder Tracer-Gas (oder auch Spürgas genannt) dar. Dabei wird das Prüfmedium unter die Abdichtungsebene - z.B. über einen Kontrollstutzen - eingebracht, wo es sich dann im Warmdach-Aufbau verteilt. Im Falle von Rauchgas werden Leckagen anhand von sichtbaren Rauchaustritten festgestellt.
Wird Tracer-Gas, ein nicht explosionsfähiges Gemisch aus Stickstoff und Wasserstoff verwendet, so misst man im Falle von Leckagen den Wasserstoff mit Hilfe eines sehr empfindlichen Handsensors. Bei frei bewitterten Abdichtungen können sowohl die Rauchgas-Prüfung, als auch die Tracer-Gas-Prüfung wertvolle Dienste erweisen. Bei bekiesten, geklebten oder auch begrünten Dachaufbauten kann das Verfahren an seine Grenzen stoßen. Gasaustritte (Rauch oder Tracer-Gas) entlang der Attika sind unvermeidbar.
Das Verfahren mit Impulsstrom EFT®️-Leckortung der Firma TEXPLOR liefert, sowohl im Falle einer Bauwerksabdichtung, als auch bei Flachdächern, zuverlässige Aussagen zur Dichtheit eines Gebäudes.
Auch eine Wasserprobe - mit oder ohne Farbstoff - kann als Dichtheitsprüfung zum Einsatz kommen. Diese wird in der ÖNORM B3691:01-05-2019 aber nicht mehr empfohlen!
Verstärkt werden auch Feuchtesensoren (Punktsensoren oder Bänder) in Bauwerken eingebaut, um Bauteilfugen oder ganze Dachaufbauten im Sinne eines Monitorings permanent überwachen zu können - siehe mehr dazu im Blog-Beitrag MONITORING.
Dipl.-Ing. Dr. techn.
Hannes LEHNER
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierten Sachverständiger,
eingetragen für das Fachgebiet
73.20 Asphaltiererarbeiten, Isoliererarbeiten, Schwarzdeckerarbeiten;
Nur für: Abdichtungsmaßnahmen gegen Feuchtigkeit; Nicht für: Asphaltiererarbeiten
Mitglied im Bundesverband für Schimmelsanierung und Technische Bauteiltrocknung



