Frisch-Beton-Verbundabdichtung (FBV) - Teil 1/2

office • 26. Januar 2026

Teil 1/ 2

Von einer Frischbeton-Verbundabdichtung (kurz FBV) spricht man dann, wenn sich die verwendete Abdichtung mit der tragenden Stahlbeton-Konstruktion einer Bodenplatte oder einer erdberührten Außenwand eines Kellers dauerhaft und hinterlaufsicher verbindet.


Als Abdichtungsprodukte kommen dafür spezielle Kunststoffdichtungsbahnen (kurz KDB, bspw. Gelbe Wanne der Firma SIKA) oder Bitumenbahnen in Frage. Letztere sind - wie bei der Firma Büsscher & Hoffmann (Marke PERISEAL®) - mit einer Silikatoberfläche versehen, sodass ein perfekter Haftverbund der Bitumenbahn mit dem Beton erzielt werden kann. Dieser dauerhaft, dichte Haftverbund zeichnet auch für die Hinterlaufsicherheit der Abdichtung verantwortlich.


Weder die FBV-Abdichtung, noch die Stahlbeton-Konstruktion sind für die alleinige Dichtfunktion verantwortlich. Eine FBV-Abdichtung entsteht also durch die Kombination aus außenliegender FBV-Abdichtung und der tragenden Stahlbeton-Konstruktion. Dadurch wird im Vergleich zu einer Weißen Wanne, die ausschließlich aus einem dichten Betongefüge besteht, die Sicherheit für den Feuchteschutz erhöht.


Verlegt wird eine FBV-Abdichtung horizontal entweder auf einer Sauberkeitsschicht oder einer Dämmung. Eine vertikale Verlegung erfolgt bei zweihüftiger Schalung in der Außenschalung. Auch eine Verlegung unter engen Platzverhältnissen auf einer Bohrpfahlwand ist möglich.


Zu einem Wassereintritt in das Gebäude kann es bei einer FBV-Abdichtung nur dann kommen, wenn es einerseits eine Leckage in der Abdichtung gibt und gleichzeitig ein wasserführender Riss oder mehrere Risse im Beton genau von dieser Leckage über die gesamte Bauteildicke bis ins Innere des Objektes führen. 


Eine FBV-Abdichtung, egal ob mit einer KDB-Abdichtung oder einer Bitumenbahn ausgeführt, stellt einen perfekten außenliegenden Rundumschutz für einen Keller oder Tiefgarage dar und wird allen Lastfällen - von Bodenfeuchte bis zum Lastfall drückendes Wasser - gerecht. Dem RADON-Schutz wird mit einer FBV-Abdichtung ebenfalls Rechnung getragen. 


Auch Objekte ohne Keller (Einfamilienhäuser, Hallen, etc.) können einen perfekten Feuchte- und RADON-Schutz erhalten, wenn unter der Bodenplatte eine einlagige FBV-Abdichtung (mit einer Bitumenbahn 3,5 mm) Dicke auf einer Sauberkeitsschicht verlegt wird. Die Verlegung ist insofern einfach, als die Abdichtungsprodukte lose auf dem Untergrund verlegt werden. Nur die Überlappungen und Stöße von Bitumenbahnen werden mittels Propangas geflämmt. Im Falle einer KDB-Abdichtung können die Überlappungen thermisch verschweißt oder geklebt werden. Durch eine zeitnahe Überbauung der FBV-Abdichtung mit der Bodenplatte ist diese rasch gegen nachträgliche Beschädigungen geschützt. Eine zusätzliche Abdichtung auf der Bodenplatte gegen aufsteigende Feuchte ist bei Verwendung einer FBV-Abdichtung nicht erforderlich.


Auch wenn hierzulande noch relativ wenige Referenzprojekte für FBV-Abdichtungen mit Bitumenbahnen existieren, so gibt es doch auf internationaler Ebene bereits ein breites Spektrum an Erfahrungen. Beim System Gelbe Wanne der Firma SIKA gibt es auch national Langzeiterfahrungen von mehr als 10 Jahren.


Die Verlege-Richtlinien der Hersteller sind jedenfalls zu beachten!


Noch haben die Mindestanforderungen an eine FBV-Abdichtung keinen Einzug in die ÖNORM gefunden. Aber im Zuge der Überarbeitung der ÖNORM B 3692, Planung und Ausführung von Bauwerksabdichtungen, ist mit einem eigenen Kapitel für die FBV-Abdichtung zu rechnen. 



Dipl.-Ing. Dr. techn.

Hannes LEHNER


Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierten Sachverständiger,

eingetragen für das Fachgebiet

73.20 Asphaltiererarbeiten, Isoliererarbeiten, Schwarzdeckerarbeiten;

Nur für: Abdichtungsmaßnahmen gegen Feuchtigkeit; Nicht für: Asphaltiererarbeiten


Mitglied im Bundesverband für Schimmelsanierung und Technische Bauteiltrocknung


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